Israel-feindlicher Stand in Hannover: "Gift des Antisemitismus wirkt immer noch nach"

 

Michael Höntsch protestiert gegen Israel-feindlichen Stand

 

Na, das wird man doch wohl noch einmal sagen dürfen, dachten sich die jungen Leute von "Der Feder" und bauten am Samstagmittag ihren angekündigten Stand in der hannoverschen Innenstadt auf. Die Liberale Jüdische Gemeinde hatte mich informiert.

 

Auf dem Tisch zwei Plexiwürfel mit Schlitz, der eine pro der andere contra. Die Fragestellung bzw. These: Israel ist illegal.

Ja, das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut. Wir wollen nicht in einer Gesellschaft leben, in der Denkverbote ausgesprochen werden. Und doch packt mich die Wut. Donnerstag Höcke, am Samstag in Hannover junge Leute, die in ihrem Vereinslogo den iranischen Revolutionsführer haben. Ich habe an diesem Mittag die Diskussion gesucht.

Heftige Diskussion am Stand

Zionismus ist gleich Faschismus, Israel ohnehin, in Gaza gibt es freie Wahlen. Alle Menschen im Nahen Osten sollen über das Existenzrecht Israels abstimmen, das sei demokratisch. Auf die Frage, wie es um die Rechte von Schwulen in Gaza und anderswo gestellt ist, gab es keine Antwort.

Aufgebracht herrschte mich ein Mann am Stand an. "Wenn Sie gegen die Todesstrafe sind, was sagen Sie denn zu den USA?" Die Antwort schien ihn zu verblüffen und ich musste die Frage nachschieben, was er von Amnesty halte, da bin ich nämlich Mitglied. Die Antwort: "Das ist nicht so einfach, teils teils."

Polizei schaltet sich ein

Erfreulich an diesem Mittag das spontane Engagement der Jusos, die gerade um die Ecke im Kurt-Schumacher-Haus eine Klausurtagung durchführten. Auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde waren mit dabei beim Protest.

Nach einer halben Stunde beendete die Polizei freundlich die Protestaktion gegen den Stand der "Feder". Auflage: 20 Meter Abstand. Das wurde ohne Murren akzeptiert.

"Nur schwer erträglich"

Viele Bürgerinnen und Bürger zeigten Unverständnis und waren empört über diese Aktion. Aber es gab auch andere. Das Gift des Antisemitismus wirkt immer noch nach. Dass es jetzt in Gestalt der Israelkritik durch einen Verein, der das Ayatollah-Regime hofiert und sich einen Teufel um Menschenrechte schert, in die hannoversche Innenstadt getragen wird, ist nur schwer erträglich.

Am Ende dann auch mehr Chips im Würfel, der den Staat Israel für illegal erklärt. Als Innenpolitiker des Landes Niedersachsen und Sprecher gegen Antisemitismus und Rechts werde ich diesen Verein im Auge behalten.... und nicht nur ich.

 

 


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